Hans Ibowski im Alter von fast 84 Jahren verstorben
Am
16 März 2004 gegen
16:50 Uhr ist Hans Ibowski still zu
Hause eingeschlafen. Die Diagnose des Notarztes lautet auf Herzstillstand
aufgrund seines geschwächten allgemeinen Gesundheitszustands. Nach einer
Lungenentzündung im vergangenen Jahr, dann einem Krankenhausaufenthalt in der
Vorweihnachtszeit wegen fortbestehender Lungenprobleme, gefolgt von einer nur
schleppenden Rekonvaleszenz mit einigen Rückfällen, glaubten alle an eine zwar
sehr langsame, aber dennoch stetige Besserung. Inmitten dieser vermeintlichen
Erholung kam dann doch sein Tod sehr plötzlich.
Änni war bei ihm, als er starb. Mit ihr hätte er nur zwei Tage später, am 18. März, den 60. Hochzeitstag, die Diamantene Hochzeit, gefeiert. Wegen seiner Gesundheitsprobleme war allerdings eine grosse Feier im Familien- und Freundeskreis bereits auf Mitte Mai verschoben worden.
Die Beisetzung fand unter grosser Anteilnahme von Familie und Freunden am 23. März 2004 auf dem Stadtfriedhof in Hilden statt. Hans fand seine letzte Ruhestätte in der Gruft seiner Schwiegereltern Anna und Wilhelm Heubes.

Neben
seiner Ehefrau hinterlässt Hans zwei Söhne, Rainer und Hartmut, die beiden
Schwiegertöchter Karin und Petra, vier Enkel Natascha, Gregor, Erika und Jasmin,
sowie einen Urenkel Nicolas.
Hans wurde am 7. Mai 1920 in Homberg am Niederrhein geboren. Er war der älteste von insgesamt 9 Geschwistern. Er hat mit fast 84 Jahren alle seine jüngeren Brüder überlebt. Seine beiden Schwestern Lene und Elisabeth leben im Raum Aachen.
Hans verbrachte die ersten Jahre nach seiner Geburt bei Johann und Marianna Plonka, seinen Grosseltern mütterlicherseits, in Homberg, während sein Vater wegen der damaligen Wirtschaftskrise häufig seine Stellen im Kohlebergbau im Ruhrgebiet wechseln musste. Als dann sein Vater eine gesicherte Beschäftigung im Aachener Kohlerevier fand, zog die inzwischen um zwei weitere Söhne vergrösserte Familie Ende 1925 nach Alsdorf um. Die dortige Linnicher Strasse 199 wurde zum Lebensmittelpunkt. Weitere Geschwister wurden geboren.
Unter
dem Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse musste Hans sofort nach Abschluss
seiner Pflichtschuljahre in der Landwirtschaft arbeiten, um die Familie zu
unterstützen. Mit 18 Jahren machte er seinen Führerschein und bekam eine Stelle
als Fahrer in einem Alsdorfer Fuhrunternehmen.
Ein
gutes Jahr später, im August 1939, kam dann für Hans wie für fast alle seine
Altersgenossen ein frühes Ende der Jugendjahre. Hans wurde mit dem enteigneten
LKW zum Militär eingezogen. Dies brachte ihn mit 19 Jahren in die Kaserne nach
Hilden, wo er seine spätere Ehefrau Änni Heubes kennenlernte.
Hans
diente in der Luftwaffe als Kraftfahrer im Rang eines Obergefreiten bei der
Flakeinheit L3542. Die Kriegsjahre erlebte er zunächst an der Westfront bis nach
Paris und dann ab Mitte 1941 im Osten im Raum
Minsk, der heutigen Hauptstadt
Weissrusslands.
Während kurzer Heimaturlaube in
Hilden
fand die Verlobung mit Änni am 16. Januar 1943 und die Hochzeit am 18. März 1944
statt.
Im
Januar 1945 gelangte Hans in polnische, dann in russische Kriegsgefangenschaft.
Mit Glück kam er bereits im August 1945 frei und stand nach Mitfahrten auf
Kohlezügen am 23. August 1945 wieder in
Hilden
vor dem Haus der Schwiegereltern.
Rainer
wurde 1946, Hartmut 1954 geboren. Dazwischen lagen für die junge Familie
entbehrungsreiche Nachkriegsjahre, bis Hans Anfang der 50er Jahre eine Stelle
als Fahrer von Reisebussen fand. Im Rückblick auf Hans' Leben muss man auf das
für die heutige Generation Unvorstellbare hinweisen, nämlich dass sich Hans fast
zwanzig Jahre seines Lebens, von 1934 bis 1950, nicht nach eigenem Willen
entwickeln konnte. Das eigene Leben begann erst im Alter von 30Jahren. Hans
teilte dieses Schicksal mit all seinen Altersgenossen, hat aber selbst darüber
nie ein Wort verloren.
Bis 1958 fuhr Hans Reisebusse quer durch Europa; vor allem ging es nach Spanien, Frankreich und Italien. Zwar waren die längeren Abwesenheiten des Familienoberhaupts nicht angenehm, aber die Reisen, manchmal in Begleitung von Ehefrau und Kindern, legten den Grundstein für Weltoffenheit, Aufgeschlossenheit und Wissensdurst. Dieses, wie wir heute sagen würden, multikulturelle Verständnis war eine besonders wichtige Mitgift an seine Söhne.
Damit
seine Söhne es zu etwas bringen, arbeitete er nach der Reisebuszeit weiter als
Kraftfahrer bei der Hildener Lackfabrik Wiederhold und war stolz, dass Hartmut
und Rainer Abitur machten und die Universität besuchten. Ohne seine (und
natürlich Ännis) dankbar anerkannte volle Unterstützung wäre dies unmöglich
gewesen. Hans prägte in vielen Dingen seine Kinder und später Enkelkinder, seine
Liebe zur Modell-Eisenbahn, sein Gefallen am Camping, seine häuslichen
Reparaturen und Verschönerungen, seine Vorliebe für Kartenspiele, besonders Skat
und Doppelkopf, sein Fussballfieber und vieles, vieles mehr.
1975 kam ihm der Tod schon einmal sehr nahe. Er wurde unverschuldet in einen schweren Autounfall verwickelt und überlebte nur dank guter Notärzte, die ihn noch auf der Autobahn versorgten und dann mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus brachten. Später beschrieb Hans dies als seinen ersten Flug im Leben. Nach vielen Monaten im Krankenhaus und weiteren Monaten der Rekonvaleszenz arbeitete er noch weiter bei Wiederhold, bis er dann 1981 wegen seiner Unfall-Behinderungen frühpensioniert wurde.
Das einzig Positive: Hans fand jetzt im Alter von gut 60 Jahren endlich Zeit für sich selbst. Zusammen mit Änni ging es auf viele Reisen, zunächst bescheiden auf Camping-Urlaub in Italien und Spanien, dann mit dem Wohnwagen in die Mittelmeerländer.
Als
seine Schwiegermutter im hohen Alter pflegebedürftig wurde, verzichtete er
erneut und selbstverständlich auf seine eigenen Interessen und half seiner Frau
bei der Pflege der Mutter. Um immer kurzfristig erreichbar zu sein, war der
Ersatz fürs Reisen ein Wohnwagenplatz in der Eifel, wo Hans und Änni manche
Wochenden und Sommerwochen verbrachten.
In den 90er Jahren nach dem Tod der Schwiegermutter, die Söhne verheiratet und aus dem Haus, waren Reisen wieder ein wichtiges Element im Leben. Zur Goldenen Hochzeit im Jahre 1994 ging es nach Lanzarote auf die Kanarischen Inseln, die wirklich erste Flugreise in seinem Leben. Es kamen bald weitere hinzu, denn Rainer war mit seiner Familie nach Kanada umgezogen. Hans und Änni flogen dreimal dorthin, besuchten die Rocky Mountains, gingen nach Florida, Washington und New York, und verbrachten natürlich viel Zeit bei Sohn, Schwiegertochter Karin und den in der Zwischenzeit jugendlichen Enkeln Natascha und Gregor in Oakville in der Nähe von Toronto.
Das andere wichtige und häufige Reiseziel wurde Olching bei München, wo Hartmut und seine Frau Petra mittlerweile wohnten. Von dort ging es auf viele kurze Reisen in die nahe und mittlere Nachbarschaft und insbesondere in die Berge. Dort lernte Hans noch etwas Neues lieben, die Kirchweih, bei der anders als bei der ihm bekannten rheinischen Kirmes das Festzelt mit Bierausschank im Mittelpunkt steht. Bis zum vorigen Jahr liess er fast kein Fest aus. In Olching wurde Hans auch noch zweimal zum Opa, als Hartmut und Petra die Kinder Erika und Jasmin annahmen.
Ein
erfülltes Leben? Das "Ja" lässt sich nur vermuten, denn Hans hat nie viel Worte
um seine Bedürfnisse gemacht und immer dankbar das Leben in seiner Vielfalt
akzeptiert. Für ihn stand die Familie im Mittelpunkt, die er in seiner eigenen
stillen Art führte. Dafür gibt es in unserer Gesellschaft keine steinernen
Denkmäler. Ehrung und Respekt sind dennoch da, denn die Famile und die Freunde
werden ihn dauerhaft in Erinnerung behalten. Kinder und Kindeskinder werden ganz
in seinem Sinne weiterleben, sozusagen als lebende Denkmäler eines grossartigen
Menschen.
Siehe auch “In Memoriam Hans Ibowski” in der Fotogallerie!.
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